Kategorie-Archiv: Allgemein

Böll-Stiftung: Evangelikale in Sachsen. Ein Bericht

Dresden (idea) – Evangelikale haben in der sächsischen Landeskirche zu viel Einfluss. Diese Ansicht vertritt die freie Journalistin Jennifer Stange (Leipzig) in einem ausführlichen Beitrag mit dem Titel „Evangelikale in Sachsen. Ein Bericht“, der im Januar in der Reihe „Weiterdenken“ der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen (Dresden) erschienen ist. Wie sie schreibt, ist für Evangelikale die Bibel Lebens- und Glaubensgrundlage: „Sie glauben häufig nicht nur an Gott, sondern auch an das Böse, an den Teufel, sie glauben an das Jüngste Gericht und sie glauben, dass Jesus auf die Erde zurückkommt.“ Besonders ausgeprägt sei diese Frömmigkeit entlang der deutsch-tschechischen Grenze vom Erzgebirge bis ins Vogtland, weshalb dieses Gebiet auch als „Biblebelt“ (Bibelgürtel) bezeichnet werde. Dort nähmen protestantische Einrichtungen eine wichtige gesellschaftliche Rolle ein. In den strukturschwachen Regionen des südwestlichen Sachsens stellten sie neben den Sportvereinen das Freizeitangebot und nähmen Einfluss auf das kommunale Leben. Die Evangelikalen „machen an der Kirchenpforte nicht halt“, so Stange. Stattdessen wollten sie die Gesellschaft verändern und riefen zu mehr Engagement in der Politik auf. Mitunter seien ihre Glaubensauffassungen „fundamentalistisch“. Als Beispiele nennt Stange das Evangelisationsteam Sachsen und die Arbeitsgemeinschaft Weltanschauungsfragen (AG Welt). Beide verträten „auf vielen Kampffeldern christlicher Fundamentalisten in Sachsen eine Avantgardeposition“. Im Umfeld der Landeskirche bildeten sie „eine Vorhut, die den Angriff auf feindliche Positionen nicht scheut und eine gesellschaftliche Zuspitzung in Glaubensfragen provoziert“. Dabei seien sie bundesweit vernetzt, „vor allem mit evangelikalen Hardlinern aus Baden-Württemberg“.

„Beschwichtigungspolitik“ der Landeskirche gescheitert

Zum Teil heftige Kritik übt Stange aber auch an Kirche und Politik, weil sie sich von „christlichen Hardlinern“ nicht distanzierten, sondern diese zum Teil noch unterstützten. So habe der CDU-Fraktionsvorsitzende, Steffen Flath (Annaberg), mehrfach beim von den „Christdemokraten für das Leben“ veranstalteten „Marsch für das Leben“ in Annaberg-Buchholz gesprochen. Auch habe er sich wiederholt für eine Politik an den Maßstäben der Zehn Gebote ausgesprochen. Das aber sei, so Stange, „für den Fraktionsvorsitzenden einer Volkspartei vermessen.“ Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens habe sich bislang nicht öffentlich von verbalen Attacken gegen Schwule und Lesben, gegen Frauen, Atheisten, Andersgläubige und vor allem gegen Muslime durch fundamentalistische Christen in den eigenen Reihen abgegrenzt. Vielmehr scheue sie eine Auseinandersetzung mit diesen Kräften und habe es meist versäumt, „sich klar von Inhalten und wahnhaften Zügen des Glaubens in den eigenen Reihen zu distanzieren“. So hätten evangelikale Hardliner ihren Einfluss in Bildungseinrichtungen und auf eine außerkirchliche Öffentlichkeit in Kommunen und Städten stärken können, etwa mit Andachten und Kolumnen bei Radiosendern. Stange: „Die Appeasementpolitik der sächsischen Landeskirche, die womöglich eine frühzeitige Diskussion um fundamentalistische Positionen in den eigenen Reihen verhindert hat, ist gescheitert.“

www.agwelt.de , den 28.01.2014 von Thomas Schneider

Kommentar zur Studie „Christliche Religiosität und elterliche Gewalt“

des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen e.V.
vorgelegt von Christian Pfeiffer und Dirk Baier

Vorbemerkung
In der Debatte um die Schlagzeile „Gewalt an Kindern in Freikirchen“ geht es vorwiegend um eine
Studie, die das Kriminologische Forschungsinstitut unter der Leitung von Prof. Pfeiffer veröffentlicht
hat. Ich habe einige Zitate herausgenommen und kommentiert und mich dabei an die Gliederung der
fünfzehnseitigen Studie gehalten. Friedrich Schneider

 

I. Einleitung und Forschungsfragen
In der Einleitung betonen die beiden Verfasser – Christian Pfeiffer und Dirk Baier – die grundsätzliche
Tendenz, dass religiöse Orientierung einen positiven Einfluss auf Jugendliche ausübt. Dabei sei
ihnen aber aufgefallen, „dass sich die Zugehörigkeit zum katholischen Glauben etwas stärker
gewaltpräventiv auswirkt als die Mitgliedschaft in einer evangelischen Gemeinde.“ (S.1.)
 
Die konfessionellen Unterschiede weiter zu untersuchen, motivierte sie, „eine dritte christliche
Gruppe ins Blickfeld zu nehmen: die evangelisch-freikirchlichen Gemeinschaften.“ (S.2)
Eine Begründung, wieso diese Gruppe ihr Interesse hervorgerufen hat, bleibt offen. Gravierend ist
aber, dass weder einleitend noch im Laufe der Studie definiert wird, wer mit dieser
Gruppenbezeichnung „evangelisch-freikirchlich“ erfasst wurde.
Der Begriff scheint für sie so etwas wie ein Sammelbecken für alles irgendwie Christliche zu sein,
das nicht einer der beiden Großkirchen zugeordnet werden kann.
 
Als Kriterium für die Gruppe wird lediglich angedeutet, dass sie nicht durch die „vom Staat
eingezogene Kirchensteuer alimentiert“ werden, ein „hohes Zusammengehörigkeitsgefühl haben und
„nicht von dogmatischen Vorgaben der großen evangelischen ‚Mutterkirche‘ abhängig sind.“ (S.2)
Dass diese strukturellen Besonderheiten Anlass zu einer Untersuchung für das Kindeswohl sein
können, erscheint bereits in den einleitenden Abschnitten nicht einsichtig. So drängt sich die Frage
auf, ob die genannten Forschungsfragen tatsächlich ergebnisoffen untersucht wurden.
 
Allerdings sind die beiden Forschungsfragen grundsätzlich legitim:
„1. Unterscheiden sich Katholiken, Protestanten und Angehörige der evangelischen Freikirchen
hinsichtlich der erlebten Erziehungserfahrung, insbesondere hinsichtlich der Erfahrung
innerfamiliärer Gewalt?
2. Gilt für Katholiken, Protestanten und Angehörige der evangelischen Freikirchen gleichermaßen,
dass eine hohe Religiosität einen Schutzfaktor gegen Verhaltensauffälligkeiten und persönliche
Fehlentwicklungen darstellt?“ (S.2)

 

II. Die Studien
Pfeiffer/Baier greifen auf zwei Befragungsstudien des KFN zurück. Auf eine Schülerbefragung aus
den Jahren 2007 und 2008 und eine Erwachsenenbefragung aus dem Jahr 2011. Keine neuen
Daten also. Und beide Studien wurden auch bereits öffentlichkeitswirksam dargestellt. Man fragt
sich, warum das Ganze zu diesem Zeitpunkt noch einmal mit großem Effekt wiederholt wird.
 
Bereits nach den ersten Veröffentlichungen gab es zahlreiche Proteste, weil sie durch ungenaue
Forschungsergebnisse sehr vereinfachte Klischees erzeugten, die zur pauschalen Diffamierung aller
Christen führte, die sich als freikirchlich bezeichnen. Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen
bemühte sich intensiv um das Gespräch mit Prof. Pfeiffer. Er zeigte sich auch durchaus
gesprächsbereit, setzte aber keine Anregung um, die Abfrage genauer nach den sehr
unterschiedlichen Gruppierungen im gesamtfreikirchlichen Milieu (von kleinen Hauskreisen,
charismatischen Sondergruppen, völlig frei organisierten Gemeinden bis hin zu den etablierten
Freikirchen) zu differenzieren.
 
Und das, obwohl es die Zusage seitens des Instituts gegeben hatte, vor einer möglichen erneuten
Veröffentlichung die Auswertung noch einmal zu überprüfen und zu differenzieren, so dass die
Unschärfe in der Argumentation nicht die etablierten Freikirchen trifft. An diese Zusage fühlte sich
Prof. Pfeiffer augenscheinlich nicht gebunden, so dass er bei einem Kongress in Bielefeld
medienwirksam seine pauschalen Urteile über „evangelisch-freikirchliche Gemeinden“ wiederholte.
 
Zu den erhobenen Zahlen ist anzumerken: Die erste Schülerbefragung (2007/2008) erfasste 44.610
Jugendliche. „Von diesen Jugendlichen gehören 11.831 dem katholischen Glauben, 11.627 dem
evangelischen Glauben an. Unter den evangelischen Jugendlichen finden sich insgesamt 431
Schüler, die angaben, einer Freikirche anzugehören. Um welche Freikirche es sich genau handelt,
wurde nicht erfragt.“ (S.3) Dieser Satz macht deutlich, wie dünn die Basis für alle Behauptungen ist:
1% der Befragten sind irgendeinem freikirchlichen Milieu zuzuordnen, das nicht näher differenziert
wird. Und Pfeiffer/Baier geben zu, dass sie keine Ahnung haben, von welch einer Gruppierung die
Schüler sprechen, wenn sie das Wort „Freikirche“ ankreuzen. Es stellt sich die Frage, ob eine Studie,
die auf so dünne Argumente gegründet ist, überhaupt als wissenschaftlich seriös bezeichnet werden
kann.
 
Die Studie im Jahr 2011 hat 11.428 Personen erfasst. „Hiervon gehören 2.638 Personen dem
katholischen Glauben an und 2.648 dem evangelischen Glauben; in dieser Gruppe befinden sich 124
Befragte mit Zugehörigkeit zu einer evangelisch-freikirchlichen Gemeinschaft.“ (S.3)
 
Alle weiteren Schlussfolgerungen beziehen sich also auf 124 nicht näher definierte „Freikirchler“ und
diese werden den über 5.000 Landeskirchlern statistisch gegenübergestellt. Im Weiteren wird
allerdings immer nur mit Prozentzahlen gearbeitet, nicht mehr mit den realen Zahlen. Wenn also
etwa 60 Personen aus irgendeiner „Freikirche“ Gewalt in ihrer Erziehung erlebt haben, stehen dem
weit über 2.000 Menschen gegenüber, die Vergleichbares in ihrer landeskirchlich geprägten Familie
erleiden mussten. Und daraus wird die Botschaft abgeleitet, dass Freikirchen eine Bedrohung für
friedliche und gewaltfreie Kindeserziehung darstellen. Das ist absurd.
 
Die weitere Darstellung der jeweiligen Prozentzahlen bezieht sich immer wieder auf die geringe Zahl
von Personen, die sich einer Freikirche zugehörig fühlen, wird aber immer wieder nur prozentual
ausgeführt. Daraus werden aber Schlussfolgerungen gezogen wie „In evangelisch-freikirchlichen
Familien nimmt der Anteil gewaltfrei erzogener Schüler mit zunehmender Religiosität linear ab (von
56,1 auf 20,9 %), der Anteil an Schülern mit schweren Gewalterfahrungen fast linear zu.“ (S. 7)
 
Gefragt wird nach den Ursachen, „warum bei den evangelisch-freikirchlichen Familien mit
zunehmender Religiosität der Anteil der Kinder deutlich ansteigt, die massive innerfamiliäre Gewalt
erlebt haben.“ (S.8) Pfeiffer/Baier greifen als Erklärungsmuster auf eine Veröffentlichung von Pinker
(Gewalt, Eine neue Geschichte der Menschheit, Frankfurt, Fischer) zurück und behaupten: „Unter
Hinweis auf verschiedene Bibelstellen kann er belegen, dass es eine christliche Tradition des
erzieherisch motivierten Schlagens von Kindern gibt.“ (S.8) Zitiert werden dann einige
alttestamentliche Stellen besonders aus den Sprüchen, die nicht unbedingt zum Kern des
christlichen Glaubens gezählt werden können. Den Bezug zu den „evangelisch-freikirchlichen
Gemeinden“ – der in dieser Schreibweise immer ein eindeutiger Bezug zum Bund Evangelisch-
Freikirchlicher Gemeinden ist – stellen Pfeiffer/Baier dann auf Seite 9 dar, wenn behauptet wird,
„dass in einem beachtlichen Teil solcher Gemeinden die Eltern dazu aufgerufen werden, in der
Erziehung ihrer Kinder Schläge gezielt einzusetzen.“
Mal davon abgesehen, dass ein solcher Aufruf strafbar wäre und sofort verfolgt werden müsste,
bleiben die Autoren jeden Beweis dieser ungeheuren Unterstellung schuldig.
 
Es bleibt bei der Behauptung: „Einen Beleg für die These, dass eine derartige Erziehungskultur in
evangelisch-freikirchlichen Gemeinden besonders gepflegt wird, haben Florian Götz und Oliver das
Gupta am 30.09.2010 in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht.“ (S.9)
 
Der genannte Artikel beschäftigt sich hauptsächlich mit mysteriösen Erziehungsratgebern unter dem
Titel „Liebe geht durch den Stock“, die von einer Europäischen Missionspresse verkauft wurden.
Vermutlich haben diese Bücher tatsächlich auch eine Leserschaft, wohl aber kaum in Evangelisch-
Freikirchlichen Gemeinden.
Und selbst wenn, ist aus dem Verkauf von Büchern noch lange kein Erziehungsstil einer Konfession
oder konfessionellen Gruppe abzulesen. Eine solche Unterstellung ist nicht wissenschaftlich
erarbeitet und belegbar und im höchsten Maß diffamierend.
 
III. Religiosität und Verhaltensauffälligkeiten sowie persönliche Fehlentwicklungen
Unter dieser Überschrift gibt es doch tatsächlich einmal etwas Positives über die so genannten
Freikirchen zu berichten: „Das Ergebnis, dass evangelisch-freikrichliche Jugendliche die geringste
Gewalttäterquote aufweisen und dass auch bei dieser Gruppe tendenziell mit zunehmender
Religiosität ein schwacher Rückgang der Gewalttäteranteile festzustellen ist, überrascht vor dem
Hintergrund der Befunde zur innerfamiliären Gewalt.“ (S.11)
 
Aber schon bald findet sich eine einleuchtende Erklärung, die das negative Bild von Freikirchen
wieder bestätigt: „Es erscheint plausibel, dass in evangelisch-freikirchlichen Gemeinden stark religiös
geprägte Eltern, die ihre Kinder mit Schlägen erziehen, gleichzeitig auch ein hohes Maß an sozialer
Kontrolle über das Freizeitverhalten der Jungen und Mädchen ausüben und zudem eine ausgeprägte
Furcht vor den schmerzhaften Konsequenzen eigenen Fehlverhaltens erzeugen.“ (S.11)
 
Zum Schluss wird betont: „Die positive, Lebenssinn stiftende Wirkung der Religion wird in dieser
Gruppe [nämlich bei den „evangelisch-freikirchlichen“ Jugendlichen] durch die häufigere
innerfamiliäre Gewalterfahrung aufgehoben. Im Ergebnis zeigt sich damit, dass sehr religiöse
Jugendliche aus katholischen und evangelischen Gemeinden zu etwa der Hälfte mit ihrem Leben
sehr zufrieden sind. Bei evangelisch-freikirchlichen Gemeinden trifft das nur auf jeden Dritten zu.“
(S.12)
 
IV. Zusammenfassung und Diskussion
Ehrlicherweise weisen die Autoren auf eine Schwäche ihrer Studie sogar hin: „Es sind keine
differenzierten Aussagen über einzelne freikirchliche Gemeinschaften möglich.“ (S.13) Diese
offensichtliche Schwäche hält die Verfasser aber nicht davon ab, bei ihren pauschalen und
diffamierenden Äußerungen zu bleiben und immer wieder – trotz besseren Wissens – explizit den
Namen „evangelisch-freikirchliche Gemeinden“ für eine völlig diffuse Gruppierung zu gebrauchen,
deren Zusammensetzung im Dunkeln bleibt, aber eines ganz sicher nicht ist, eine zutreffende
Beschreibung von Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden.
 
Oldenburg, den 25.04.2013 Friedrich Schneider

Kritik an undifferenzierter Studie zu elterlicher Gewalt

Vereinigung Evangelischer Freikirchen setzt sich für Kindeswohl ein

Kritik an undifferenzierter Studie zu elterlicher Gewalt

In einer ersten Reaktion haben führende Vertreter der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) scharfe Kritik an verallgemeinernden Aussagen in einer heute vorgestellten Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KfN) geäußert und den Einsatz der VEF-Mitgliedskirchen für das Kindeswohl hervorgehoben. In der Forschungsarbeit über „Christliche Religiosität und elterliche Gewalt“ resümieren die Autoren um Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Eltern, die einer evangelischen Freikirche angehören, würden ihre Kinder häufiger und mit zunehmender Religiosität auch härter körperlich bestrafen als Eltern, die zu Landes-kirchen gehören. VEF-Präsident Ansgar Hörsting betonte, gewaltfreie Erziehung sei in der VEF Konsens, und in den Mitgliedskirchen gebe es zahlreiche erfolgreiche Projekte, die sich für das Kindeswohl und gegen jede Form von Gewalt und Missbrauch an Kindern einsetzen: „Die von Prof. Pfeiffer in Interviews vorgetragenen Beispiele für gewaltsame Erziehung sind uns zutiefst fremd.“

Zudem, so Hörsting weiter, sei die „freikirchliche Landschaft in Deutschland viel zu hetero-gen, als dass man alle Freikirchen über einen Kamm scheren“ könne. Peter Jörgensen, Beauftragter der VEF am Sitz der Bundesregierung, hob das Interesse der Vereinigung an differenzierten Ergebnissen hervor: „Seit Jahren bieten wir dem Institut unsere Kooperation an.“ Kurz vor der Veröffentlichung habe das KfN versprochen, für die notwendige Differenzierung zu sorgen, doch die Zusage sei nicht eingehalten worden: „Uns ist eine differenzierte Forschung vor allem deshalb so wichtig, weil diese dazu beitragen würde, tatsächlich an den richtigen Stellen Maßnahmen zu ergreifen, um Kinder vor Übergriffen zu schützen. Dies ist aber anscheinend nicht vorwiegendes Interesse des KfN. Prof. Pfeiffer ist bekannt für zugespitzte Thesen. Das schadet allerdings dem Anliegen, basierend auf soliden und seriösen wissenschaftlichen Ergebnissen gemeinsam etwas gegen häusliche Gewalt zu unternehmen.“ Jörgensen nannte als Beispiele für erfolgreiche freikirchliche Kindes- und Jugendschutzkampagnen die Initiative „Sichere Gemeinde“ des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) und „Ein Notfallplan“ der Evangelisch-methodistischen Kirche.

Auch BEFG-Präsident Hartmut Riemenschneider kritisierte die verallgemeinernden Aussa-gen der Studie und wandte sich ausdrücklich gegen eine „unpräzise Begrifflichkeit“. So werde „evangelisch-freikirchlich“ in der Forschungsarbeit als Synonym für alle evangelischen Freikirchen verwendet, was schlicht falsch sei: „Es handelt sich nicht um einen Gattungsbe-griff, sondern um einen Wortlaut aus dem Namen des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, einer Körperschaft, die sich ebenso wie alle VEF-Mitgliedskirchen von den be-schriebenen gewaltsamen Erziehungspraktiken ausdrücklich distanziert.“

Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen wurde 1926 gegründet. Ihr gehören zehn Mitglieds- und vier Gastkirchen an. Weitere Informationen: www.vef.de.

Wustermark, 23. April 2013

Dr. Michael Gruber

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Von Bomben und anderen Dingen

Sterben für Gott?

Überall – na ja, fast überall lesen wir von Menschen, die bereit sind, für Gott zu sterben. Ich persönlich habe damit ein kleines Problem: der Gott, den ich kenne, möchte das nicht. Verwirrt Sie dieser Sachverhalt?

Unter die Lupe genommen

  • Ein Problem besonderer Art ist dieser Einheitsbrei, der uns in den letzten Monaten und Jahren hinsichtlich der unterschiedlichen Religionen serviert wurde. Da suchte man nach Gemeinsamkeiten, betete zusammen, stellte man – versteckt in der Frageform – die Behauptung auf
    • Beten  wir nicht alle zu Gott?
    • Ist es nicht ein Gott, der sich in vielen Facetten offenbart?

Was steckt dahinter (des Pudels Kern)?

  • Was, wenn es nicht stimmt? Wenn es nicht immer der gleiche Gott ist? Wenn sie doch nicht für Gott sterben, sondern für Allah, den Gott des Islam? Hier etwas zum Nachdenken…
    • Mohammed wurde in Mekka um 570 n. Chr. geboren.
    • Um 610 n. Chr. begann er daran zu glauben, dass er von Gott Botschaften erhielt.
    • Lange vor diesem Zeitpunkt existierte das, von den Christen sog. “Alte Testament”, die heiligen Schriften des Judentums.
    • Die 27 Schriften des sog. “Neue Testament” waren ebenfalls schon verfasst, nämlich im Laufe des 1. Jhs. n. Chr.
  • In beiden “Testamenten” macht Gott bestimmte, grundsätzliche Aussagen über deren Inhalt, wie z. B.,
    • dass sein Wort vollständig ist
    • dass dieses Wort für immer bestehen bleibt und
    • unabänderlich ist
    • dass Jesus von Nazareth der Messias ist, der auch
    • Christus genannt wird, der auch
    • Sohn Gottes ist
  • Also, gestatten Sie mir eine Frage: Wie kann Gott,  der allmächtig und allwissend ist, wie kann er es sich nach ein paar hundert Jahren wieder anders überlegen? Oder – ist es doch nicht der gleiche Gott?

“Der Islam ist eine Religion mit einem Gott, der von dir verlangt, dass dein Sohn für ihn stirbt.

Das Christentum ist ein Glaube an einen Gott, der aus Liebe zu dir seinen Sohn gesandt hat, dass er für dich stirbt.

Das kann doch nicht der gleiche Gott sein.”

John Ashcroft,

ehem. Justizminister der USA